Stadtführungen Uster
Landi-Architektur in Uster bis 1950: Krise, Krieg und Babyboom

Luftaufnahme Schulhaus Pünt (1942-50) mit Landihalle (1939/40) und Reithalle (1941) rechts; Zeughäuser (1938) oben. Undatierte Aufnahme 1950er-Jahre (Stadtarchiv/Kläui-Bibliothek Uster)
Auf einem räumlich begrenzten Areal zeigt sich in Uster geradezu idealtypisch, wie sich die Landesausstellung 1939 in Zürich zum gemeinsamen Fluchtpunkt aller kulturellen Bemühungen der 40er-Jahre entwickelte. Die Gemeinde kaufte das für den Bau von Zeughäusern erforderliche Areal und übertrug es kostenlos dem Eidgenössischen Militärdepartement. Nach Ausbruch des 2. Weltkrieges erwarb Uster eine Halle, welche in der Nähe der Zeughäuser dazu diente, Truppen und Pferde unterzubringen. Im Dezember 1941 wurde die „Landihalle“ um eine Reithalle (heute: Stadthalle) des Architekten Karl Bachofner ergänzt. Das benachbarte Schulhaus „Pünt“, das die Architekten Müller & Freytag von 1942 bis 1950 erstellten, war eine Antwort auf den einsetzenden Babyboom der Kriegs- und Nachkriegszeit. Heute ist die Zeughausanlage zu einem wichtigen städtebaulichen Entwicklungsgebiet avanciert. Der Rundgang ruft ein wenig bekanntes Kapitel der Geschichte des Städtebaus in Erinnerung und vermittelt Perspektiven der Gegenwart.
Ein Stadtzentrum bauen. Usters Entwicklung im Rückspiegel

Stadthaus Uster, Ansicht Hauptfassade mit Stadthausplatz, Arch. Bruno Giacometti, Aufnahme 1962 (Stadtarchiv/Kläui-Bibliothek Uster)
Der Bau zweier Warenhäuser kurz nach 1945 markiert in Uster den Aufbruch in die Konsumgesellschaft der Nachkriegszeit. Mit dem Gemeindehaus von Bruno Giacometti, das als „Meisterwerk der Moderne“ gefeiert wurde, erhielt Uster 1962 eine soziale und politische Stadtmitte. Als „architektonischer Gegenpol“ fungierte die 1958 vollendete Stadthof-Überbauung mit dem ersten Wohnhochhaus. In den 60er-Jahren übernahm „die autogerechte Stadt“ das Planungsdiktat und pflügte mit der Verbreiterung der Zürichstrasse und dem Bau der beiden Einkaufszentren Uschter 77 (1972) und Illuster (1973) die ehemals dörflichen Strukturen von Uster radikal um. Die Hochkonjunkturphase fand ihren Abschluss mit dem 1977 eingeweihten Wohn- und Geschäftshaus der Post. Mit der 2008 erstellten Hochhausüberbauung Skyline wurde das alte Postulat der Zentrumsplanung wieder aufgegriffen. Usters 60-jährige Suche nach einem Identität stiftenden Stadtzentrum, das sich zu Fuss erkunden lässt, berührt grundlegende Fragen städtebaulichen Denkens.

Stadtzentrum Uster, Luftaufnahme 1986 (Stadtarchiv/Kläui-Bibliothek Uster)
Zellweger-Areal Uster: Wohn- und Arbeitsquartier am Wasser
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Ehemaliges Verwaltungsgebäude mit Ausstellungspavillon der Zellweger AG Uster, Aufnahme 2010 (Foto: Roland Frischknecht).
Die Zellweger AG war einst der grösster Arbeitgeber in Uster. 2006 stellte die Firma, die ursprünglich elektrische Läutwerke und Telefonapparaturen produziert hatte, den Betrieb ein. Gegenwärtig entwickelt sich das ehemalige Industriegebiet zu einem neuen Wohn- und Arbeitsquartier. Grundlage für diesen Aufbruch in eine neue Ära bildet ein privater Gestaltungsplan des Zürcher Architekturbüros EM2N. Anlass genug, das Areal mit seiner idyllischen Parklandschaft, in die sich Bauten von bemerkenswerter architektonischer Qualität einfügen, wandernd zu erkunden. Das architektonische Erbe wird zum Zeitzeugen einer gesellschaftlichen Entwicklung, die den sozialen Wandel im letzten Jahrhundert sinnfällig macht. Die in Ausführung begriffene städtebauliche Weiterentwicklung des Areals, zu der die Kunstwerke der Bechtler-Stiftung einen wichtigen Beitrag leisten, strebt eine enge Verbindung von Architektur, Landschaft und Kunst an.
Stadtführung mit Roland Frischknecht, Kunsthistoriker

Roland Frischknecht wurde 1961 in Uster geboren und lebt heute in Zürich. Er studierte Kunstgeschichte, Geschichte und Neuere Deutsche Literatur an der Universität Zürich und arbeitet als freischaffender Kunsthistoriker unter anderem für die Denkmalpflege der Stadt Zürich. Er schreibt an einer Dissertation über den Architekten Bruno Giacometti. 2008 war er Mitkurator einer Ausstellung in der Ciäsa Granda in Stampa zu den von Giacometti im Bergell erstellten Bauten. Er verfasste verschiedene Beiträge für das Bruno Giacometti gewidmete Beiheft Bündner Monatsblatt (2008). Autor von Kurztexten zum Stadthaus Uster von Bruno Giacometti für die Homepage der Stadt Uster.
Frischknecht schrieb zahlreiche Beiträge zur Kultur- und Architekturgeschichte der Stadt Uster.
Publikationen (Auswahl):
- Bündner Heimatschutz (Hrsg.): Bruno Giacometti, Architekt. Beiheft Bündner, Monatsblatt. Chur 2008.
- Bruno Giacometti erinnert sich. Gespräche mit Felix Baumann. Mit einem Werkverzeichnis von Roland Frischknecht. Zürich 2009.
- Hochbaudepartement der Stadt Zürich, Amt für Städtebau (Hrsg.): Baukultur in Zürich. Band 7: Unterstrass, Wipkingen, Höngg und Band 8: Oberstrass, Fluntern. Schutzwürdige Bauten und gute Architektur der letzten Jahre. Zürich 2009/10.
Stadtführung mit Ludi Fuchs, Stadtrat von 1986 bis 1994

Ludi Fuchs wurde 1952 in Uster geboren. Bis 1994 arbeitete er im kaufmännischen Bereich, seither ist er selbständiger Berater und Projektorganisator. Seine Projekte (Auswahl): „Heroinabgabestelle Zürcher Oberland“, „Greifensee-Schutzkonzept“, „Stellenlose Schulabgänger in technischen Berufen“, Weiterbildungsprogramm „Internet Publishing für Stellenlose“. Zudem leitet Fuchs Zukunftswerkstätten: unter anderem „Gesunde Schule“, „Lebensraum Thalwil“ und „Visionen für Stäfa“. Seit einigen Jahren engagiert er sich in diversen Projekten für den Einstieg von schulisch schwachen Jugendlichen in die Arbeitswelt.
Ludi Fuchs ist Mitglied der Sozialdemokratischen Partei. Er war Stadtrat in Uster (1986-1994, Abteilungsleiter Tiefbau, Planung und Vermessung), Mitglied des Gemeinderates Uster (1978-1986) und des Kantonsrates Zürich (1987-1991).
